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Stecker raus für das TV-Geschäft

Erstellt von Manuela Moser |
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Marcel von Allmen hat im Fernseh- und Radiogeschäft alles erlebt: Seit fast 40 Jahren führt er sein Geschäft im Zentrum von Küsnacht. Jetzt zieht er den Stecker – und erzählt aus seiner Karriere, einem Angebot, das so aussterben wird.

«Keine andere Branche hat sich wohl so verändert wie das Fernseh- und Radiogeschäft», sagt Marcel von Allmen beim Ausräumen der letzten Fernsehapparate und Musikanlagen in seinem Geschäft «Euronics von Allmen» im Dorfzentrum von Küsnacht – und erinnert sich an die vergangenen fast 40 Jahre im Business: Es war der 1. Juli 1984, als sein damaliger Lehrmeister Ferdinand Gubler bei seiner Pension einen Nachfolger suchte. Der erst 24-jährige von Allmen sagte sofort zu und übernahm den «Radio Gubler», so hiess das Geschäft damals. 

«Sicher, ich war jung», sagt er, doch in der Exfrau seines Lehrmeisters hätte er eine gute Unterstützung gehabt. Sie sei im Geschäft geblieben und habe hauptsächlich den Schallplatten-Verkauf übernommen. Kommt dazu, dass von Allmen aus einer Unternehmerfamilie stammt. Nicht nur seine fünf Kinder – vier Söhne und eine Tochter – sind praktisch alle selbstständig arbeitend unterwegs, sondern auch sein Vater war es, Hans von Allmen. «Er hatte 1971 die Firma Kapag für Kälteapparate in Zumikon gegründet und war in der Schweiz als ‹Kältepapst› bekannt.»

Lebensentscheidender Standort 

Mehr durch Zufall ist von Allmen selbst auf das Fernsehgeschäft gestossen. «Unser Zweig stirbt aber aus», muss der langjährige Radio- und TV-Mann nach all den Jahren feststellen. Heute gibt es auch nur noch die Lehre als Multimediaelektroniker – früher hiess es Radio- und Fernsehelektroniker. In ganz Zürich/Schaffhausen sind es zurzeit etwa 30 Lehrlinge. «Es ist eine höchst anspruchsvolle, aber auch interessante Ausbildung», weiss von Allmen, «sie hat aber mit der früheren Lehre wenig zu tun. Heute geht es mehrheitlich  um die Steuerung von Hausanlagen und anverwandte Tätigkeiten.

Die grosse Revolution wurde eingeläutet mit dem ersten Flachbildschirm, der auf den Markt kam. Das war etwa um 2000. Was für ein Unterschied zu den TV-Apparaten, die es in den 1950er-Jahren noch gab: ganze Würfel aus echtem Holz. Kunststoff gab es damals nicht. Versehen mit einem PTT-Kleber für die Konzession. Empfangen wurden ein Deutschschweizer Sender, ein Welscher, ein Tessiner, ARD und ZDF. «Bei ZDF war der Empfang schon schwierig», lacht von Allmen bei der Erinnerung. In seinem ersten Lehrjahr dann, 1975, wurde das Kabelfernsehen in Küsnacht vorgestellt. Ein entscheidender Event im Leben von von Allmen hier an der Rosenstrasse 8: Der Zumiker fand nicht nur hier zu seinem eigenen Geschäft, sondern er lernte hier, in diesem Radius, auch seine Frau kennen – sie ging nebenan in die Schule.

Verwurzelt ist Küsnacht

Von Allmen ist aber auch sonst in Küsnacht sehr verwurzelt. Hier ist er seit 50 Jahren im Fussballclub FCK, also noch länger verbundne als mit seinem Geschäft. «Ich habe dort als C-Junior angefangen», erinnert er sich, weil es in Zumikon keinen Fussballclub gibt. «Und dann habe ich in allen Mannschaften gespielt», sagt er und fügt mit seinem ihm typischen Schalk an: «Ausser bei den Damen.» In welcher Position? «Als Stürmer.»

Natürlich, denn von Allmen ist ein Macher. Auch im Militär hat er es bis zum Reparaturoffizier gebracht. Verfügt er über eine natürliche Autorität? «Die Kinder hat die Frau erzogen», winkt er ab. Kommt dazu: Er sei den ganzen Tag, von 7.30 bis 19.30 Uhr im Geschäft gestanden. «Es waren 30  gute Jahre», schaut er nochmals zurück. Bis 2014 die nächste grosse Umstellung kam: die Digitalisierung.

«Ich hatte ein Jahr lang exorbitant viele Aufträge und Verkäufe», erinnert sich von Allmen. «Und als die Umstellung abgeschlossen war, kamen die Umsatzeinbussen.» Er weiss: Heute wird Heimelektronik sehr oft online bestellt, noch vor Kleidern. Da liegt die Frage auf der Hand: Wer kommt denn heute überhaupt noch ins TV-Geschäft? «Die treue Stammkundschaft», sagt er.

«Viel öfter gehe ich heute aber auf Montage», sagt von Allmen. Wenn die Kundschaft zum Beispiel Beratung vor Ort braucht hinsichtlich der richtigen Grösse und Platzierung des neuen Apparats im konkreten Wohnzimmer. «Eine ganze Familie könnte ich von diesen Aufträgen heute aber nicht mehr ernähren», stellt von Allmen nüchtern fest, als fünffacher Vater schon gar nicht.

Zukunft liegt in Zumikon

Von Allmen hat sich heute auf den Verkauf von hochwertigen Apparaten, hauptsächlich Panasonic, konzentriert. Auch hat er sich bereits vor 35 Jahren einer Einkaufskooperation, damals Interfunk heute Euronics, angeschlossen – daher dieser Name in seinem Geschäftslogo.

Nach 39 Jahren an der Rosenstrasse 8 verlässt von Allmen nun Küsnacht und bezieht an der Ebmatingerstrasse 15 in Zumikon, wo er auch wohnt, seinen neuen Standort. «Es gibt dort einen Showroom, aber keinen eigentlichen Laden mehr», so von Allmen. Aber über Voranmeldung gebe er auch Beratungen vor Ort. Der heute 64-Jährige will noch «drei bis vier Jahre» weitermachen. Fussball bleibt seine Leidenschaft, neu hat er auch bei der Küsnachter Harmonie Eintracht angefangen. Dort spielt er die Posaune.

Am Samstag, 15. April, ist der Laden letztmals von 11 bis 14 Uhr geöffnet.