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Wenn Freiwilligenarbeit ansteckt

Erstellt von Robin Walz |
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Am vergangenen Donnerstagabend empfing die Gemeinde Küsnacht rund 100 Ehrenamtliche in der Heslihalle. Am Fest der Freiwilligenarbeit wurde deren Engagement zelebriert. 

Das Highlight des Anlasses war das Theaterstück «Wilhelmina Tell», aufgeführt von acht ukrainischen Kindern und Jugendlichen, die infolge des Krieges in ihrer Heimat in die Schweiz geflüchtet sind und nun im Küsnachter Sonnenhof wohnen. Dort, im ehemaligen Altersheim, haben sie zusammen mit über 100 anderen Flüchtlingen ein vorübergehend neues Zuhause gefunden. Im charmant und humorvoll inszenierten Theater wurden Parallelen zwischen eidgenössischem und ukrainischem Freiheitskampf gezogen. Elemente aus der ukrainischen und der schweizerischen Kultur flossen dabei zusammen – und dem Publikum gefiels. 

Dank Freiwilligen Deutsch gelernt

Nicht nur der Auftritt an sich war bemerkenswert, sondern auch die makellose Beherrschung der deutschen Sprache, in welcher die Statisten das Stück auf die Bühne brachten. Das lässt sich auch dadurch erklären, dass die Aufführung gemeinsam mit Küsnachter Freiwilligen im Rahmen des Deutschunterrichts im Sonnenhof erarbeitet wurde. Es wurde in Begleitung von der freiwilligen Deutschlehrerin Sabine Kipfer entwickelt, die gemeinsam mit Marie-Helene Lüchinger und Hannelore Knuth das Theater umgeschrieben und mit den Jugendlichen eingearbeitet haben. Gewissermassen leisteten die Küsnachter Freiwilligen also ­einen wichtigen Beitrag, damit das Theater auf die Beine gestellt werden konnte. Die geglückte Umsetzung lässt sich demnach als Lob und Dank für die engagierte Freiwilligenarbeit in Küsnacht auffassen. 

Dass die Wertschätzung der Freiwilligen – hauptsächlich ältere Menschen – im Zentrum des von der Gemeinde organisierten Abends stand, war von Beginn weg deutlich. Erst wurden sie von einer Catering-Gruppe mit Weingläsern empfangen und durften sich mit köstlichen Vorspeisen verpflegen. Anschliessend erhielten die Ehrenamtlichen dankende Worte von Pia Guggenbühl, Gemeinderätin und Vorsteherin Ressort Gesellschaft (FDP), die eine Rede hielt. «Danke Ihnen allen für Ihr enormes Engagement. Das heutige Fest ist ganz Ihnen gewidmet», sagte Guggenbühl.

Das freiwillige Engagement der Küsnachterinnen und Küsnachter sei besonders bemerkenswert, weil es dem gesellschaftlichen Trend der Individualisierung und abnehmender unbezahlter Freiwilligenarbeit entgegenlaufe. «Küsnacht liefert quasi die Antithese, allein wenn man sich die Zahl von fast 100 aktiven Vereinen vergegenwärtigt», so Guggenbühl in ihrer Rede. «Freiwillige leisten einen ungeheuerlichen zeitlichen und persönlichen Einsatz für unser Gemeinwesen. Die Gemeinde schätzt dies enorm und unterstützt das Engagement nach Kräften.»

Eine spezielle Anerkennung gab es für Emine Birgi, Freiwilligenkoordinatorin in der Integration, sowie für Rita Niederöst, Ressortleiterin Gesellschaft. Beide sind bei der Gemeindeverwaltung Schlüsselpersonen bei der effizienten Koordination der Freiwilligenhilfe angesichts der grossen Solidaritätswelle, die sich zuletzt im Zusammenhang mit den Flüchtlingen aus der Ukraine zeigte. Gemäss Guggenbühl gibt es inzwischen bereits unter den ukrainischen – sowie auch weiteren – Flüchtlingen Menschen, die sich ihrerseits in der Freiwilligenarbeit engagieren. Das zeige, so die Gemeinderätin schmunzelnd, dass Freiwilligenarbeit in Küsnacht anstecke.

Auch junge Menschen helfen

Freiwilligenkoordinatorin Birgi ist ebenfalls äusserst zufrieden mit dem ehrenamtlichen Engagement in Küsnacht. «Die Integration der Flüchtlinge läuft sehr gut und unter den Freiwilligen werden vermehrt auch Freundschaften mit Geflüchteten geschlossen», meinte sie in einem Gespräch. Zwar seien die Freiwilligen hauptsächlich Frischpensionierte und Menschen im Rentenalter, da es für junge Leute schwieriger sei, Zeit zu finden. «Trotzdem melden sich auch immer wieder junge Menschen bei mir, um zu helfen», so Birgi.

Bevor die Freiwilligen kurz vor 20 Uhr an den in der Turnhalle aufgestellten Tischen Platz nehmen durften und mit ­einem Abendessen verwöhnt wurden, durften sie sich noch die neueste Performance des Küsnachter Jungchors «Funtastic» anhören. Auch für diesen Auftritt, der mit Interpretationen von Abba über Queen begeisterte, gab es mächtigen Applaus.