Das ist ungewöhnlich für Zürich. Ein Stadionbau ist von Anfang an im Zeitplan. Heute Mittwochmittag war der Spatenstich in Altstetten. Grossen Anteil an der Erfolgsstory hat ZSC-Lions-CEO Peter Zahner.
Peter Zahner, überwiegt die Freude über den Spatenstich fürs neue, eigene Eishockeystadion oder der Frust über die knapp verpasste Playoffqualifkation?
Das Team verküchelte die ganze Saison, keine Frage. Unabhängig davon war der Spatenstich ein toller Meilenstein und ein schönes Erlebnis.
Kompliment zum eingehaltenen Zeitplan bei der bisherigen Planung. Was der Fussball nicht schaffte, gelang Ihnen perfekt. Was waren die Erfolgsfaktoren?
Wir haben immer offen und im Detail kommuniziert. Wir haben gesagt, was wir wussten, und wir waren ehrlich, wenn wir etwas nicht wussten. Und wir haben alle Zielgruppen aus der Politik und der Bevölkerung aus erster Hand informiert und einbezogen. Zudem hat sich unser VR stets im Hintergrund gehalten. Dies sicher auch, um das Projekt nicht zu verpolitisieren.
Der erste Ernstkampf der ZSC Lions im neuen Stadion findet Anfang Saison 2022/23 statt. Ist das weiterhin der Plan?
Ja. Das Stadion wird zwar schon früher fertig gebaut sein, aber dann braucht es noch umfangreiche Tests, damit alles funktioniert.
Ist der Spatenstich der bisher emotionale Höhepunkt bei der Arenaplanung?
Sicher einer der Höhepunkte. Beim Vorbereiten der Rede für den Spatenstich ging mir durch den Kopf, wie viele Orte wir vor dem jetzigen Standort beim Bahnhof Altstetten prüften – und wieder verwarfen.
Zum Beispiel?
Opfikon, Glattbrugg, das Limmattal, aber auch bei der offenen Rennbahn Oerlikon und viele andere.
Das Stadion wird künftig Swiss-LifeArena heissen. Warum?
Wir fragten zuerst die drei Investoren der ZSC Lions an. Das sind Walter Frey, Peter Spuhler und eben der Konzern Swiss Life. Rasch kristallisierte sich heraus, dass die Swiss Life der ideale Namensgeber ist.
Wie viel bekommen Sie von diesem Weltkonzern mit Hauptsitz in Zürich-Enge?
Eine Zahl kann ich selbstverständlich nicht nennen. Das Gesamtpaket beinhaltet auch viele Leistungen unsererseits wie zum Beispiel eine Loge, Tickets und viele weitere Rechte.
Was ist denn das Paket wert?
Wie gesagt, kein Kommentar.
Sie können künftig selber wirten in der neuen Arena. Wer wird der Caterer?
Die SV Group. Die traditionsreiche Firma mit Sitz in Dübendorf macht zum Beispiel das Catering im Stade de Suisse in Bern und hat grosse Erfahrung im Catering in Sportstadien.
Selber wirten wie der SC Bern, war das keine Option?
Nein. Schauen Sie, beim SC Bern ist dieses Standbein im Laufe vieler Jahre kontinuierlich gewachsen. Angefangen hat der SCB mit einem einzigen eigenen Restaurant im Stadion. Über die Jahre hat Bern viele weitere Restaurants eröffnet und Erfahrungen gesammelt. Bei uns muss vom ersten Tag an alles perfekt klappen. Da ist die SV Group perfekt.
Eine Möglichkeit für einen grossen Sportanlass wäre die Handball-EM 2023 gewesen. Diese findet nun nicht in der Schweiz statt. Was ist sonst als Aufhänger geplant?
Bisher war es schwierig, über Veranstaltungen zu verhandeln. Erst jetzt mit dem Spatenstich ist es für potenzielle Kunden definitiv, dass tatsächlich gebaut wird.
Dann gibt es auch noch keine spruchreifen Verträge, etwa mit Art on Ice?
Nein, wie gesagt, erst jetzt, wo der Spatenstich erfolgt ist, beginnen diese Gespräche.
Thema Parkplätze. Haben Sie nun mit Firmen in der Umgebung Nutzungsverträge abgeschlossen? Die Arena selber bietet lediglich rund 360 Parkplätze.
Ja, in den letzten Wochen haben wir mit zwei grossen Firmen in der Umgebung Verträge abgeschlossen, damit wir nun rund 1200 Parkplätze anbieten können. Dies war übrigens auch Bedingung der Baubewilligung.
Das Bundesamt für Strassen ist im Verzug mit dem Autobahnanschluss beim Werdhölzli und der Fussgängerpasserelle zum Stadion. Ein Problem für Sie?
Nicht unbedingt. Wir haben eine sehr gute öV-Anbindung mit dem Bahnhof Altstetten und die Autobahnunterführung Bändliweg ist nicht weit entfernt von der geplanten Passerelle.
Ist ein Fussmarsch von gegen 600 Metern zum Stadion für die Fans zumutbar?
Absolut. Sicherheitsexperten haben zudem herausgefunden, dass so ein Fussmarsch in jeder Beziehung gut ist für die Fans. Der Weg ist übrigens ähnlich lang wie jener von Bahnhof Oerlikon zum Hallenstadion.
Apropos Fans: Nehmen Sie das Denkmal vor dem Hallenstadion, das für den 1998 verstorbenen Eishockeyspieler Chad Silver steht, eigentlich mit?
Das wissen wir noch nicht. Wir werden das zu einem späteren Zeitpunkt sicher in Betracht ziehen.
Was werden Sie persönlich vermissen an Oerlikon?
Die ZSC Lions sind seit über 50 Jahren tief verbunden mit diesem Stadtteil. Doch so wie Altstetten ist auch Oerlikon jener Stadtteil in Zürich, der am meisten im Wandel ist. So ist meine Freude grösser über das Kommende als das Vermissen von Vergangenem.
Die Playoffs haben die ZSC Lions verpasst. Gibt es die Möglichkeit, dass Arno Del Curto Trainer bleibt?
Arno Del Curto hat dem Team eine Struktur und Handschrift gegeben. Leider hat es trotzdem nicht gereicht. Wir haben mit ihm klar abgemacht, Gespräche über eine Zukunft erst nach der Saison zu führen. Jetzt steht erst noch die Platzierungsrunde an, die wir vernünftig über die Bühne bringen möchten.
